… frau irgendwann I …
ich sitze in der küche und gönne mir pause. das prinzenkind schreit im bett nebenan, so wie es fast täglich schreit, wenn der mittagsschlaf seine müden hände nach ihm ausstreckt. bett ist langweilig, spielen will er, toben, lesen, ball werfen, herumrennen … meist schreit das prinzenkind fünf minuten, dann schläft es ein. zeit für die frau, die ihn geboren hat.
am küchentisch sitzen meine kumpane, der schatten, heute ganz durchscheinend, meine heimliche freundin, die mir trost und vergessen schenkt, der krallentiger, heute zahm, die gefährlichen tatzen sanft auf dem tisch liegend, der rest der gruppe hängt herum.
draußen hängen meisenkugeln, die kahle blutbuche reckt ihre kahlen äste vor unser küchenfenster, der winter bläst kalten frost.
eine schmale fee steht auf dem fenstersims und begehrt einlass. es fröstelt mich, wenn ich sie nur ansehe. ihr kleid ist dünn, fast durchscheinend, an ihren langen, dünnen armen zartgliedrige hände. mit einer hand hält sie ihren feenstab. auf ihrem kopf mit den seidenen blonden haaren steht ein grüner zipfelhut ab. sie lacht fröhlich und klopft mit ihren knöcheln an die kalten fensterscheiben.
ich nippe an meinem kaffee und sehe sie verträumt an, bis mir aufgeht, dass arme ding ja frieren muss. schnell stehe ich auf und öffne den verzogenen alten riegel an dem alten fensterrahmen.
„vielen dank“ tanzt die kleine grüne person in meine küche, auf einem dünnen beinchen hüpft die fee vom fensterbrett und schwebt auf den küchentisch.
„einen tee, bitte, das wäre nett!“ singt die kleine frau, dreht eine piourette und setzt sich dann auf ihren po.
ich stelle den wasserkocher an und frage sie, wer sie denn sei?
„ich bin frau irgendwann“ stellt sie sich vor, verneigt ihr haupt und grüßt mich huldvoll, „ich bin deine zukunft, du kannst dir alles wünschen, ich stelle dir die wunderfrage.“
das wasser kocht, und ich bin einmal wieder irritiert, die wunderfrage? was kann das sein?
während ich in den teebeuteln krame und nach ihren wünschen frage, sehe ich aus den augenwinkeln, dass meine mannschaft ins nebenzimmer geht, der schatten, der tiger und wie sie alle heißen, nanu? haben sie angst vor der kleinen frau?
so sitze ich dann mit frau irgendwann alleine da, sie nimmt kleine schlückchen von ihrem pfefferminztee, den ich in die kleinste tasse geschüttet habe, die wir haben und die ihr immer noch viel zu groß ist und traue mich dann endlich zu fragen: „was ist die wunderfrage?“
sie hat auf diese frage gewartet, das sehe ich deutlich. sie schwingt sich hoch, balanciert auf ihren zehenspitzen und schwingt ihren feenstab, der kleine goldene funken sprüht.
nacht mit blauen sternen senkt sich auf mein haupt, und als ich erwache, liege ich im bett und weiß, dass heute alles passieren wird, was ich mir wünsche, ein tag der wunder, ein tag wunderbarer wünsche …
als erstes wünsche ich mir, … ich stutze, als ich mich umdrehe und sehe, dass mein bett weiß und leer ist.
wo ist der ehemann? grüne sterne blitzen und da liegt er, riecht nach schlaf und wärme und eine liebevolle wolke wallt in mir hoch, als ich seine strubbeligen haare sehe und seinen stoppelbart. ich will ihn berühren und küssen und wünsche mir, dass er mich ansieht und wach ist. plopp, schon ist es passiert, hellwach schauen seine augen, und er versprüht gute laune und reckt seine kuschelarme zu mir hinüber. die bettdecken sind weiß und blanko, es gibt keine wände und keine decken, worauf liegen unsere matratzen?
ein goldener sternenschauer fällt aus dem nichts, und dann sehe ich bunte bettdecken, eine nachtblaue, eine weihnachtssternrote und weiche gelbe butterblumendecken, an der decke glüht eine lichterkette, und die wände hat ein jemand himmelblau bemalt, ich mag es bunt!
während wir unter der blauen decke liegen und unsere körper sich sanft berühren, vermisse ich den kleinen mini-sohn, wo ist er nur? da höre ich ihn schon herantrappeln, er krabbelt die leiter zu unserem bett hinauf, das holz knarrt und dann sehe ich sein kleines frohes gesicht, weiße zähne grinsen zwischen wangen, die noch vom schlaf gerötet sind, blaue augen blitzen. „mama, papa, mama, papa“, ruft er und wirft sich in unsere decken. alle drei liegen wir versonnen da, der kleine kerl untersucht die tube handcreme und unsere ohropax und entdeckt dann – natürlich – unsere handys. er hält eines an jedes ohr: „hallo?“
die eltern liegen froh dabei und versichern sich gegenseitig, dass dies doch wohl der süßeste sohn der welt sei. irgendwann drückt der hunger, und wir krabbeln alle aus den federn. in der küche brennen kerzen, die lichterkette an der wand leuchtet, der tisch ist feierlich gedeckt. weißes geschirr mit blauen blumen, ein korb mit knusprigen, warmen brötchen, schokocreme, na klar, und kaffee dampft in den blauen bechern. wir sitzen in weißen, flauschigen schlafanzügen alle zusammen am küchentisch und reden und lachen, flüstern und stecken mit bunten bausteinen züge und raumfähren zusammen …
der traum wird weitergehen, aber eine zwischenfrage habe ich schon …
„frau irgendwann“ flüstere ich, „wo bleibt das wunder? ich meine, es ist alles wie immer, na gut, wir frühstücken selten zusammen und unser schlafzimmer ist auch kärglich weiß, aber sonst … der ehemann und sohn sind gleich, und auch auf dem tisch steht unser geschirr … ?“ ein wenig ratlos senke ich den kopf, „wo bleibt das wunder?“
die gute fee flüstert zurück: „es geschieht alles so, wie du es dir wünschst … was wünscht dir dein herz?“
„mein herz“ flüstere ich, „wünschst sich mit den menschen leben zu können, die es liebt.“
frau irgendwann wendet ihre kleines gesicht in meine richtung, zwinkert mir zu und ist mit einem „Buff“ verschwunden.


